Webhosting Schweiz DSG-konform – was du wirklich wissen musst
Seit dem 1. September 2023 gilt das neue Schweizer Datenschutzgesetz, kurz nDSG. Und seitdem bekomme ich gefühlt jede Woche Mails von Leuten, die in Panik sind. "Muss ich jetzt den Hoster wechseln?" "Darf ich noch bei Hetzner hosten?" "Brauche ich einen AVV?" Mal langsam. Ich arbeite seit über 30 Jahren in der Hosting-Branche und habe schon einige Datenschutz-Wellen miterlebt. Das nDSG ist wichtig, keine Frage. Aber es ist kein Grund zur Panik – wenn man ein paar Dinge richtig macht.
In diesem Artikel erkläre ich dir, was das nDSG für dein Webhosting konkret bedeutet, welche Schweizer Anbieter DSG-konform sind und wo die typischen Stolperfallen liegen. Ohne Juristendeutsch, dafür mit konkreten Empfehlungen.
Das nDSG seit September 2023 – was hat sich geändert?
Erstmal vorweg: In der Schweiz reden wir vom DSG beziehungsweise nDSG. Nicht von der DSGVO – die gilt in der EU. Klar, die beiden Gesetze sind sich ähnlich, das nDSG wurde bewusst an die DSGVO angelehnt. Aber es gibt Unterschiede, und die sind für Website-Betreiber durchaus relevant.
Die wichtigsten Änderungen auf einen Blick:
- Nur noch natürliche Personen sind geschützt. Juristische Personen fallen raus – anders als beim alten DSG.
- Informationspflicht bei jeder Datenbearbeitung. Du musst aktiv informieren, welche Daten du erhebst und warum.
- Privacy by Design und Privacy by Default sind jetzt Pflicht. Datenschutz muss von Anfang an eingebaut sein.
- Höhere Bussen – bis zu CHF 250'000 für verantwortliche Personen. Ja, Personen. Nicht Unternehmen. Das schmerzt.
- Auftragsbearbeitung muss vertraglich geregelt werden. Dein Hoster bearbeitet Daten in deinem Auftrag – dafür brauchst du einen Vertrag.
Was heisst das für dein Hosting? Ganz einfach: Du bist verantwortlich dafür, dass die Personendaten deiner Website-Besucher geschützt sind. Und dein Hosting-Anbieter ist ein wesentlicher Teil dieser Kette.
Serverstandort Schweiz – wichtig, aber kein Allheilmittel
Ich höre ständig: "Mein Server steht in der Schweiz, also bin ich DSG-konform." So einfach ist es leider nicht. Der Serverstandort ist ein Faktor, aber bei weitem nicht der einzige.
Trotzdem: Ein Schweizer Serverstandort vereinfacht vieles erheblich. Denn sobald Personendaten ins Ausland transferiert werden, greifen die Bestimmungen zur grenzüberschreitenden Datenbekanntgabe. Du brauchst dann entweder ein Land mit angemessenem Datenschutzniveau (der Bundesrat führt eine Liste), Standardvertragsklauseln oder eine andere rechtliche Grundlage. Das ist machbar, aber aufwändig.
Mit einem Schweizer Hoster und Servern in der Schweiz fällt dieser ganze Rattenschwanz weg. Deine Daten bleiben im Land, fertig. Deshalb empfehle ich für die meisten KMU und Selbständigen klar: Hostet in der Schweiz. Nicht weil es zwingend nötig wäre, sondern weil es das Leben massiv vereinfacht.
Was viele vergessen: Auch bei einem Schweizer Hoster können Daten ins Ausland fliessen. Zum Beispiel wenn der Hoster Cloud-Dienste von AWS oder Google nutzt, wenn Backups auf ausländischen Servern landen oder wenn ein CDN eingesetzt wird. Nachfragen lohnt sich.
Welche Länder haben ein angemessenes Datenschutzniveau?
Der Bundesrat hat eine Staatenliste veröffentlicht. EU- und EWR-Staaten sind darauf – also wären Hetzner (Deutschland) oder OVH (Frankreich) grundsätzlich möglich. Aber: Du brauchst trotzdem einen Auftragsbearbeitungsvertrag und musst sicherstellen, dass keine Daten in Drittstaaten weitergeleitet werden. Bei US-Cloud-Diensten wird es heikel – Stichwort CLOUD Act.
Auftragsbearbeitungsvertrag (AVV) – Pflicht, nicht Kür
Das nDSG schreibt vor: Wenn jemand in deinem Auftrag Personendaten bearbeitet, brauchst du einen Vertrag dafür. Dein Hoster speichert IP-Adressen, E-Mails, eventuell Kundendaten – das ist Auftragsbearbeitung. Also brauchst du einen AVV.
Die gute Nachricht: Die grossen Schweizer Hoster haben das verstanden. Die meisten bieten mittlerweile einen AVV an, teilweise direkt in den AGB integriert, teilweise als separates Dokument. Hier mein Überblick nach jahrelanger Erfahrung mit diesen Anbietern:
- Cyon: AVV als separates Dokument verfügbar, sehr transparent in Sachen Datenschutz. Vorbildlich.
- Hostpoint: AVV in die Vertragsunterlagen integriert. Sauber gelöst.
- Infomaniak: AVV vorhanden, dazu ISO 27001 und ISO 14001 zertifiziert. Sehr professionell.
- Metanet: AVV auf Anfrage erhältlich.
- Green.ch: Als Swisscom-Tochter gut aufgestellt, AVV vorhanden.
- Webland: AVV verfügbar.
- Novatrend: AVV vorhanden, transparent kommuniziert.
Wenn dein Hoster keinen AVV anbietet oder sich weigert, einen abzuschliessen – Finger weg. Ernsthaft. Das ist ein klares Warnsignal.
DSG-konforme Schweizer Hosting-Anbieter im Vergleich
Jetzt wird es konkret. Ich habe mir die wichtigsten Schweizer Anbieter angeschaut und bewerte sie nach Datenschutz-Kriterien. Alle Preise sind aktuell und beziehen sich auf das günstigste Webhosting-Paket.
Cyon – ab CHF 14.90/Mt
Cyon ist mein persönlicher Favorit, wenn es um DSG-Konformität geht. Die Firma sitzt in Basel, die Server stehen in Basel, und sie sind extrem transparent. Auf der Website findest du detaillierte Infos darüber, welche Subunternehmer eingesetzt werden und wo Daten verarbeitet werden. Der Support ist erstklassig und sitzt – Überraschung – ebenfalls in Basel. Kein Callcenter im Ausland.
CHF 14.90 pro Monat ist nicht das billigste Angebot, aber du bekommst dafür Qualität und Rechtskonformität. Wer bei Datenschutz keine Kompromisse eingehen will, ist bei Cyon goldrichtig.
Hostpoint – ab CHF 15.90/Mt
Der grösste Schweizer Hoster. Über 200'000 Kunden, eigenes Rechenzentrum in der Schweiz, und ein Team, das weiss, was es tut. Hostpoint hat den AVV sauber in die Vertragsstruktur eingebaut. Die Datenschutzseite ist ausführlich und verständlich geschrieben.
Kleines Manko: Die Preise sind im Schweizer Vergleich etwas höher. Dafür bekommt man aber ein rundes Gesamtpaket mit gutem Support. Für Unternehmen, die auf Nummer sicher gehen wollen, eine solide Wahl.
Infomaniak – ab CHF 10.91/Mt
Die Genfer machen seit Jahren vieles richtig. ISO 27001 zertifiziert, eigene Rechenzentren in der Schweiz, und sie positionieren sich aktiv als datenschutzfreundliche Alternative zu den US-Tech-Giganten. Infomaniak bietet auch eigene Alternativen zu Google-Diensten an – kDrive, kMeet und so weiter.
Preislich mit CHF 10.91 pro Monat sehr fair. Einziger Haken: Das Kontrollpanel ist eigen entwickelt und braucht etwas Eingewöhnung, wenn man von cPanel oder Plesk kommt. Aber funktional ist alles da.
Metanet – ab CHF 12.90/Mt
Metanet betreibt ein eigenes Rechenzentrum in Zürich. Der Anbieter ist seit über 20 Jahren am Markt und hat sich einen soliden Ruf erarbeitet. Beim Datenschutz ist Metanet gut aufgestellt, allerdings kommunizieren sie weniger offensiv als etwa Cyon oder Infomaniak.
Für CHF 12.90 im Monat bekommt man ein ordentliches Paket. Wer einen zuverlässigen Schweizer Hoster mit Zürcher Rechenzentrum sucht, macht mit Metanet nichts falsch.
Green.ch – ab CHF 6.45/Mt
Green.ch gehört zur Swisscom-Gruppe. Das heisst: Schweizer Infrastruktur durch und durch, professionelles Datenschutz-Management und ein grosser Konzern im Rücken. Ab CHF 6.45 pro Monat ist das Angebot preislich sehr attraktiv.
Die Kehrseite: Der Support ist nicht immer der schnellste, und das Produktportfolio ist etwas weniger flexibel als bei spezialisierten Hostern. Aber für eine einfache Website oder einen Blog? Absolut ausreichend und DSG-konform.
Webland – ab CHF 6.95/Mt
Webland ist einer der ältesten Schweizer Hoster. Die Website sieht etwas altbacken aus – ich weiss. Aber unter der Haube stimmt die Technik. Server in der Schweiz, Schweizer Firma, faire Preise. Für CHF 6.95 pro Monat ein echtes Schnäppchen im Schweizer Vergleich.
Datenschutztechnisch solide. Kein Schnickschnack, aber alles Nötige ist vorhanden.
Novatrend – ab CHF 10.00/Mt
Novatrend hostet in der Schweiz und legt Wert auf Datenschutz und Nachhaltigkeit. Ab CHF 10.00 pro Monat im Mittelfeld angesiedelt. Der Support ist persönlich und kompetent – ein Vorteil gegenüber den ganz grossen Anbietern.
Ausländische Hoster – geht das überhaupt noch?
Kurze Antwort: Ja, aber mit deutlich mehr Aufwand.
Viele Schweizer Webentwickler und Agenturen nutzen Hetzner, OVH, DigitalOcean oder AWS. Und ich verstehe warum – die Preise sind teilweise massiv günstiger. Ein vServer bei Hetzner kostet einen Bruchteil von dem, was Schweizer Anbieter verlangen.
Aber mit dem nDSG musst du folgendes beachten:
- Datenbekanntgabe ins Ausland: Du brauchst eine rechtliche Grundlage. Bei EU-Hostern ist das Datenschutzniveau angemessen – aber du musst es dokumentieren.
- AVV abschliessen: Hetzner bietet einen, OVH auch. Bei kleineren Anbietern kann das schwieriger werden.
- Subunternehmer prüfen: Wo landen deine Backups wirklich? Nutzt der Hoster US-Cloud-Dienste im Hintergrund?
- US-Anbieter: Hier wird es heikel. Der CLOUD Act ermöglicht US-Behörden Zugriff auf Daten, egal wo der Server steht. Das ist ein echtes Problem fürs nDSG. Ich rate von reinen US-Hostern ab, wenn du Personendaten verarbeitest.
- Dokumentation: Du musst nachweisen können, dass du dich mit dem Thema auseinandergesetzt hast. Eine Datenschutz-Folgenabschätzung kann nötig sein.
Mein Rat: Wenn du ein KMU bist, eine Arztpraxis, ein Anwaltsbüro oder sonst irgendwie sensible Daten verarbeitest – nimm einen Schweizer Hoster. Der Mehrpreis ist überschaubar, und du sparst dir endlose Stunden mit Datenschutz-Dokumentation. Für ein Hobbyprojekt oder einen Tech-Blog? Da kannst du ruhig bei Hetzner bleiben, solange du den AVV hast und weisst, was du tust.
Checkliste: Ist mein Hosting DSG-konform?
Hier meine Checkliste, die ich auch selbst verwende. Geh die Punkte durch – wenn du überall ein Häkchen setzen kannst, bist du auf der sicheren Seite.
- Serverstandort bekannt? Weisst du, wo deine Daten physisch gespeichert werden?
- AVV vorhanden? Hast du einen Auftragsbearbeitungsvertrag mit deinem Hoster abgeschlossen?
- Subunternehmer geprüft? Weisst du, welche Drittanbieter dein Hoster einsetzt?
- SSL-Zertifikat aktiv? HTTPS ist Pflicht – ohne Verschlüsselung keine DSG-Konformität.
- Backup-Standort bekannt? Wo landen deine Backups? Auch in der Schweiz?
- Zugriffskontrolle eingerichtet? Wer hat Zugriff auf deine Hosting-Daten? Nur du oder auch Mitarbeiter?
- Datenschutzerklärung vorhanden? Auf deiner Website, aktuell und vollständig?
- Cookie-Consent eingerichtet? Nicht nur für die DSGVO – auch das nDSG verlangt Transparenz.
- E-Mail-Hosting geprüft? Oft vergessen – auch E-Mails enthalten Personendaten.
- Löschkonzept vorhanden? Wie lange speicherst du Daten, und wann werden sie gelöscht?
Cookie-Banner, Datenschutzerklärung und Impressum
Kurzer Exkurs, weil ich immer wieder danach gefragt werde.
Cookie-Banner
Das nDSG schreibt keinen Cookie-Banner im Stil der DSGVO vor. Es gibt in der Schweiz keine explizite Cookie-Einwilligungspflicht. Aber – und das ist ein grosses Aber – wenn du Tracking-Cookies einsetzt (Google Analytics, Facebook Pixel etc.), musst du darüber informieren. Und wenn deine Website auch EU-Besucher hat, gilt für die die DSGVO. Also: Ein Cookie-Banner schadet nie und ist in den meisten Fällen sinnvoll.
Meine Empfehlung: Setz einen ein. Lieber zu viel Transparenz als zu wenig. Tools wie Cookiebot oder Complianz erledigen das in fünf Minuten.
Datenschutzerklärung
Pflicht. Punkt. Jede Website braucht eine Datenschutzerklärung, die erklärt:
- Welche Daten erhoben werden
- Zu welchem Zweck
- Wer Zugriff hat (auch der Hoster!)
- Ob Daten ins Ausland übermittelt werden
- Welche Rechte die Betroffenen haben
- Kontaktdaten des Verantwortlichen
Es gibt gute Generatoren dafür – etwa von der Kanzlei Datenschutzpartner oder SwissAnwalt. Aber bitte nicht einfach eine deutsche DSGVO-Vorlage kopieren. Das nDSG hat eigene Anforderungen.
Impressumspflicht
Die Schweiz hat keine allgemeine Impressumspflicht wie Deutschland. Aber: Wenn du einen Online-Shop betreibst, greift das Fernabsatzrecht (OR Art. 3 UWG). Und auch ohne gesetzliche Pflicht – ein Impressum schafft Vertrauen. Mach eines rein. Kostet nichts, bringt Glaubwürdigkeit.
Häufige Fehler, die ich in der Praxis sehe
Nach 30 Jahren im Geschäft habe ich so ziemlich jeden Fehler gesehen. Hier die häufigsten beim Thema DSG und Hosting:
- Google Fonts lokal einbinden vergessen. Wenn du Google Fonts über die Google-Server lädst, werden IP-Adressen an Google übermittelt. Lösung: Fonts herunterladen und lokal hosten. Dauert zehn Minuten.
- Google Analytics ohne Einwilligung. Ja, auch in der Schweiz problematisch. Alternativen wie Matomo (selbst gehostet) oder Plausible sind datenschutzfreundlicher.
- Kontaktformular ohne Verschlüsselung. Kein SSL = Personendaten im Klartext. Das geht gar nicht.
- Newsletter-Tool im Ausland. Mailchimp sitzt in den USA. Denk darüber nach. Alternativen: Mailcoach (self-hosted), oder Schweizer Anbieter nutzen.
- Alte WordPress-Plugins. Manche Plugins senden Daten an externe Server. Prüfe regelmässig, welche Plugins aktiv sind und was sie tun.
Mein Fazit: Schweizer Hosting für Schweizer Websites
Ich sage nicht, dass du zwingend einen Schweizer Hoster brauchst. Aber ich sage: Es macht dein Leben deutlich einfacher. Der Preisunterschied zu einem deutschen Hoster beträgt vielleicht CHF 5-10 pro Monat. Dafür sparst du dir den Papierkram mit Datenübermittlung ins Ausland, hast einen deutschsprachigen Support in deiner Zeitzone und kannst deinen Kunden guten Gewissens sagen: "Ja, eure Daten bleiben in der Schweiz."
Wenn Budget das Hauptkriterium ist, schau dir Green.ch ab CHF 6.45 oder Webland ab CHF 6.95 an. Beide sind DSG-konform und günstig. Wer mehr Leistung und erstklassigen Support will, greift zu Cyon oder Hostpoint. Und wer ISO-Zertifizierung und ein besonders datenschutzbewusstes Unternehmen sucht, landet bei Infomaniak.
Das nDSG ist kein Monster. Es verlangt im Grunde nur, was ohnehin selbstverständlich sein sollte: Verantwortungsvoll mit Daten umgehen, transparent kommunizieren und die richtigen Partner wählen. Mit einem soliden Schweizer Hoster und einer sauberen Datenschutzerklärung bist du auf der sicheren Seite.
Alle Anbieter im Detail findest du in unserem grossen Webhosting-Vergleich Schweiz.