Website umziehen & Hosting wechseln in der Schweiz — der komplette Leitfaden
Irgendwann kommt der Punkt, an dem dein aktueller Hoster nicht mehr passt. Vielleicht ist die Seite quälend langsam geworden, der Support antwortet erst nach drei Tagen, oder du zahlst schlicht zu viel für das, was du bekommst. Ich habe in den letzten 30 Jahren dutzende Websites umgezogen — von simplen HTML-Seiten bis zu fetten WooCommerce-Shops mit 20'000 Produkten. In diesem Ratgeber zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du den Umzug sauber hinkriegst, ohne dass deine Besucher etwas davon merken.
Wann lohnt sich ein Hosting-Wechsel wirklich?
Nicht jedes Problem rechtfertigt einen Umzug. DNS-Umstellungen brauchen Zeit, E-Mails müssen migriert werden, und irgendwas geht beim Wechsel eigentlich immer schief. Trotzdem gibt es klare Signale, dass es Zeit wird.
Performance im Keller
Wenn deine Website regelmässig länger als drei Sekunden zum Laden braucht, obwohl du serverseitig alles optimiert hast — Caching aktiviert, Bilder komprimiert, kein aufgeblähtes Theme — dann liegt das Problem beim Hoster. Besonders bei Shared Hosting passiert das gern, wenn der Anbieter zu viele Kunden auf einen Server packt. Ich habe das schon bei mehreren Billig-Hostern erlebt: Am Montagmorgen bricht die Ladezeit komplett ein, weil alle anderen Websites auf dem gleichen Server gleichzeitig Traffic bekommen.
Preis-Leistung stimmt nicht mehr
Der Schweizer Hosting-Markt hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Was du vor fünf Jahren für CHF 20 pro Monat bekommen hast, gibt es heute oft für die Hälfte. Wenn du einen alten Vertrag hast, lohnt sich ein Vergleich. Gerade Anbieter wie Infomaniak ab CHF 10.91/Monat oder Green.ch ab CHF 6.45 bieten heute sehr solide Pakete zu fairen Preisen.
Support, der keiner ist
Für mich persönlich der wichtigste Punkt. Wenn du um Mitternacht merkst, dass dein Shop nicht erreichbar ist und der Support erst am nächsten Werktag antwortet — dann hast du den falschen Hoster. Bei Schweizer Anbietern wie Cyon oder Hostpoint erreichst du den Support in der Regel innerhalb von Minuten, auch abends. Das ist Gold wert, wenn es darauf ankommt.
Technische Einschränkungen
Kein SSH-Zugang, veraltete PHP-Version, kein Let's Encrypt, kein HTTP/2 — solche Einschränkungen sind 2026 nicht mehr akzeptabel. Wenn dein Hoster dir nicht mindestens PHP 8.2, kostenlose SSL-Zertifikate und SSH-Zugang bietet, wird es höchste Zeit für einen Wechsel.
Schritt-für-Schritt: Website umziehen ohne Ausfallzeit
Ein sauber geplanter Umzug dauert ein bis zwei Stunden aktive Arbeit, verteilt auf ein paar Tage. Hier ist mein bewährter Ablauf.
Schritt 1: Komplettes Backup erstellen
Bevor du irgendetwas anfasst, machst du ein vollständiges Backup. Und zwar nicht nur eins, sondern zwei — auf verschiedenen Medien. Klingt paranoid, hat mir aber schon zweimal den Hintern gerettet.
- Dateien: Verbinde dich per SFTP (nicht FTP, das ist unverschlüsselt) mit deinem alten Hoster und lade den kompletten Webspace herunter. Das schliesst .htaccess und versteckte Dateien ein.
- Datenbank: Exportiere alle MySQL/MariaDB-Datenbanken über phpMyAdmin oder die Kommandozeile mit
mysqldump. Achte darauf, dass du den Export als .sql-Datei speicherst, nicht als komprimiertes Format. - E-Mails: Wenn du E-Mail-Konten beim Hoster hast, sichere diese separat (dazu gleich mehr).
- DNS-Einträge: Mach einen Screenshot oder eine Textdatei mit allen DNS-Records. Die brauchst du später für die Konfiguration beim neuen Hoster.
Schritt 2: Neuen Hoster wählen und einrichten
Bestelle das Hosting-Paket beim neuen Anbieter. Hier ein paar solide Schweizer Optionen mit aktuellen Preisen:
| Anbieter | Paket | Preis/Monat | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Cyon | Single | ab CHF 14.90 | Top-Support, Schweizer Datacenter |
| Hostpoint | Starter | ab CHF 15.90 | Grösster CH-Hoster, sehr zuverlässig |
| Infomaniak | Starter | ab CHF 10.91 | Preis-Leistung, Ökostrom |
| Green.ch | Hosting S | ab CHF 6.45 | Günstigste Schweizer Option |
Richte beim neuen Hoster dein Konto ein, erstelle die Datenbank und notiere dir die Zugangsdaten. Die Domain stellst du jetzt noch nicht um — das kommt erst ganz am Schluss.
Schritt 3: Dateien und Datenbank übertragen
Lade alle Dateien per SFTP auf den neuen Server. Importiere die Datenbank über phpMyAdmin oder per SSH mit:
mysql -u benutzername -p datenbankname < backup.sql
Falls sich der Datenbankname, der Benutzer oder das Passwort geändert hat, musst du die Konfigurationsdatei deiner Website anpassen. Bei WordPress ist das die wp-config.php, bei Joomla die configuration.php.
Schritt 4: Website beim neuen Hoster testen
Bevor du die DNS umstellst, solltest du prüfen, ob alles funktioniert. Die meisten Schweizer Hoster geben dir eine temporäre URL oder du kannst über die Server-IP testen. Alternativ trägst du in deiner lokalen hosts-Datei die IP des neuen Servers ein — dann siehst nur du die neue Version, während alle anderen noch die alte sehen.
Schritt 5: TTL senken — das vergessen fast alle
Hier kommt der Trick, den 90% der Anleitungen weglassen. Geh mindestens 24 Stunden vor der DNS-Umstellung in deine DNS-Verwaltung und setze den TTL (Time to Live) aller relevanten Records auf 300 Sekunden (5 Minuten). Standardmässig steht der TTL oft auf 3600 oder sogar 86400 Sekunden. Das bedeutet, dass nach der Umstellung bis zu 24 Stunden vergehen können, bis alle Besucher den neuen Server sehen. Mit einem TTL von 300 passiert das innerhalb von Minuten.
Schritt 6: DNS umstellen
Jetzt kommt der eigentliche Umzug. Ändere die DNS-Records deiner Domain, sodass sie auf den neuen Server zeigen. In der Regel musst du den A-Record (IPv4) und den AAAA-Record (IPv6) ändern. Wenn du die Nameserver komplett wechselst (z.B. weil der neue Hoster das DNS verwaltet), dauert die Propagation etwas länger.
Pro-Tipp: Mach die DNS-Umstellung an einem Dienstagmorgen. Dann hast du den ganzen Tag Zeit, eventuelle Probleme zu beheben, und der Traffic ist meist noch nicht auf dem Wochenhöchststand.
Schritt 7: Prüfen und aufräumen
Teste nach der Umstellung alles gründlich: Kontaktformulare, Shop-Funktionen, Login-Bereiche, SSL-Zertifikat. Prüfe auch die E-Mail-Zustellung. Erst wenn alles sauber läuft, kündigst du beim alten Hoster — und behältst das alte Konto noch mindestens zwei Wochen als Fallback.
WordPress umziehen — die einfachste Methode
Für WordPress gibt es Plugins, die den ganzen Prozess massiv vereinfachen. Du brauchst kein phpMyAdmin und kein SFTP — das Plugin macht alles für dich.
Duplicator (mein Favorit)
Duplicator erstellt ein komplettes Paket deiner Website: Dateien, Datenbank, Konfiguration — alles in einer Archivdatei plus einem Installer-Skript. Du lädst beides auf den neuen Server, rufst den Installer im Browser auf und folgst dem Assistenten. In 15 Minuten ist alles erledigt.
Ein wichtiger Hinweis: Die kostenlose Version von Duplicator hat ein Grössenlimit. Bei Websites über 500 MB kann es Probleme geben. In dem Fall entweder die Pro-Version kaufen oder den manuellen Weg nehmen.
All-in-One WP Migration
Noch einfacher, aber mit einem Haken: Die kostenlose Version erlaubt nur Imports bis 512 MB (je nach Server auch weniger). Für kleine Blogs perfekt — du klickst auf "Export", lädst die Datei herunter, installierst das Plugin auf der neuen WordPress-Installation und importierst. Das wars. Bei grösseren Websites brauchst du die Unlimited Extension für ca. CHF 69.
Manueller WordPress-Umzug
Manchmal funktionieren Plugins nicht sauber — etwa bei Multisite-Installationen oder wenn der Hoster bestimmte PHP-Funktionen blockiert. Dann bleibt der manuelle Weg: Dateien per SFTP kopieren, Datenbank exportieren und importieren, wp-config.php anpassen, und in der Datenbank die URLs aktualisieren. Dafür gibt es das Kommandozeilen-Tool WP-CLI:
wp search-replace 'alte-domain.ch' 'neue-domain.ch' --all-tables
Vergiss nicht, auch die siteurl und home in der Tabelle wp_options zu prüfen.
E-Mails migrieren — der unterschätzte Teil
Die Website umzuziehen ist das eine. Aber wenn du E-Mail-Konten beim Hoster hast (und das haben die meisten), wird es etwas kniffliger.
IMAP-Sync: Mails kopieren statt verlieren
Wenn du deine Mails per IMAP abrufst (was du solltest), liegen alle Nachrichten auf dem Server. Beim Wechsel musst du diese auf den neuen Server übertragen. Dafür gibt es Tools wie imapsync, die alle Mails von einem IMAP-Server zum anderen kopieren — inklusive Ordnerstruktur, gelesen/ungelesen-Status und Anhänge.
imapsync --host1 alter-server.ch --user1 mail@domain.ch --password1 'xxx' \
--host2 neuer-server.ch --user2 mail@domain.ch --password2 'yyy'
Manche Hoster bieten diesen Service auch an. Bei Cyon zum Beispiel kannst du den Support kontaktieren, wenn du Hilfe bei der Mail-Migration brauchst.
Timing bei der Mail-Migration
Richte die E-Mail-Konten beim neuen Hoster ein, bevor du die DNS umstellst. Dann laufen nach der Umstellung neue Mails direkt beim neuen Server ein. Die alten Mails synchronisierst du danach in Ruhe nach. In der Übergangsphase (während der DNS-Propagation) können Mails bei beiden Servern ankommen — prüfe also ein paar Tage lang beide.
Häufige Fehler beim Hosting-Umzug
In 30 Jahren habe ich so ziemlich jeden Fehler gesehen, der passieren kann. Hier die Top-Klassiker:
- Kein Backup gemacht: Klingt banal, passiert aber ständig. "Ich lade die Dateien ja vom alten Server runter, das reicht." — Nein, tut es nicht. Mach ein separates Backup, bevor du anfängst.
- Domain zu früh umgezogen: DNS umgestellt, bevor die Website auf dem neuen Server fertig eingerichtet war. Resultat: Besucher sehen eine leere Seite oder einen Fehler. Teste immer zuerst über die temporäre URL.
- SSL-Zertifikat vergessen: Die Website läuft, aber ohne HTTPS. Browser zeigen Warnungen, Google straft dich ab. Installiere das SSL-Zertifikat auf dem neuen Server, bevor du die DNS umstellst.
- Alte PHP-Version vorausgesetzt: Dein Code lief auf PHP 7.4, der neue Server hat PHP 8.3 — und plötzlich hagelt es Fehlermeldungen. Prüfe vorher die Kompatibilität.
- .htaccess nicht mitkopiert: Versteckte Dateien werden beim Download oft übersehen. Ohne .htaccess funktionieren Weiterleitungen und Permalink-Strukturen nicht.
- Cron-Jobs vergessen: Wenn du serverseitige Cron-Jobs hattest (z.B. für Backups oder Newsletter-Versand), musst du diese beim neuen Hoster neu einrichten.
- DNS-Cache nicht berücksichtigt: Du siehst die neue Seite, dein Kunde nicht — weil sein Provider den alten DNS-Eintrag noch gecacht hat. Mit einem vorher gesenkten TTL minimierst du das Problem.
Welche Hoster bieten einen kostenlosen Umzugsservice?
Wenn dir das alles zu kompliziert ist oder du schlicht keine Zeit hast: Einige Schweizer Hoster übernehmen den Umzug für dich.
- Servertown bietet einen kostenlosen Website-Umzugsservice an. Du gibst die Zugangsdaten deines alten Hosters an, und das Team übernimmt den Rest — Dateien, Datenbank, E-Mails, alles.
- Cyon hat keinen formellen Umzugsservice, hilft aber bei Problemen. Wenn du beim Umzug irgendwo hängen bleibst, erreichst du den Support per Chat und bekommst in der Regel innert Minuten eine hilfreiche Antwort. Die haben auch sehr gute Anleitungen in der Wissensdatenbank.
- Hostpoint bietet ebenfalls Unterstützung beim Umzug, allerdings teilweise kostenpflichtig für den Komplettservice.
- Infomaniak hat ein Migrations-Tool im Adminpanel, das den Import von cPanel-Backups erleichtert.
Mein Rat: Wenn deine Website geschäftskritisch ist und du nicht 100% sicher bist, was du tust — nimm den Umzugsservice. Die paar Franken (falls überhaupt) sind gut investiert.
Checkliste: Website-Umzug in der Schweiz
Zum Abschluss eine kompakte Checkliste, die du ausdrucken und abhaken kannst:
- Vollständiges Backup erstellen (Dateien + Datenbank + E-Mails)
- DNS-Einträge dokumentieren
- Neues Hosting-Paket bestellen und einrichten
- Dateien und Datenbank auf den neuen Server übertragen
- Konfigurationsdateien anpassen (Datenbankzugangsdaten etc.)
- Website über temporäre URL testen
- SSL-Zertifikat auf dem neuen Server einrichten
- E-Mail-Konten auf dem neuen Server anlegen
- TTL der DNS-Records auf 300 Sekunden senken (24h vorher!)
- DNS-Records auf den neuen Server umstellen
- E-Mails mit imapsync migrieren
- Alles testen: Website, Formulare, E-Mail, Cron-Jobs
- Altes Hosting noch 2-4 Wochen behalten, dann kündigen
Fazit: Ein Hosting-Wechsel ist kein Hexenwerk
Ich weiss, der Gedanke an einen Hosting-Umzug schreckt viele ab. Aber wenn du planvoll vorgehst und die Checkliste oben befolgst, ist das in ein paar Stunden erledigt. Der grösste Fehler ist, aus Bequemlichkeit bei einem schlechten Hoster zu bleiben. Langsame Ladezeiten kosten dich Besucher, schlechter Support kostet dich Nerven, und überhöhte Preise kosten dich Geld.
Der Schweizer Hosting-Markt bietet hervorragende Alternativen. Ob du zu Cyon, Hostpoint, Infomaniak oder einem anderen Anbieter wechselst — wichtig ist, dass du den Schritt machst. Und wenn du vorher die Preise vergleichen willst: Unser Webhosting-Vergleich für die Schweiz zeigt dir alle Anbieter mit aktuellen Preisen und Bewertungen auf einen Blick.