Bilder für die Website: Was ist rechtlich erlaubt?

Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026
Bilder für die Website: Was ist rechtlich erlaubt?
TL;DR · Kurz erklärt
Jedes Foto, das du im Internet findest, ist urheberrechtlich geschützt - auch wenn kein Copyright-Vermerk drauf steht. Für deine Website darfst du nur Bilder nutzen, die du selbst gemacht hast, für die du eine Lizenz erworben hast oder die explizit zur freien Verwendung freigegeben sind. Ein Verstoß kann in der Schweiz schnell mehrere Hundert bis über tausend Franken kosten.

Hand aufs Herz: Du baust eine Website auf, suchst nach einem passenden Bild auf Google, findest es, und lädst es hoch. Klingt nach einem Workflow, den täglich tausende Leute in der Schweiz so machen. Das Problem: Er ist fast immer illegal. Das Schweizer Urheberrechtsgesetz (URG) schützt Fotografien und andere Werke eben automatisch ab dem Moment ihrer Entstehung - ohne dass der Urheber irgendetwas anmelden oder kennzeichnen müsste. Kein Copyright-Zeichen nötig. Keine Anmeldung.

Dieser Ratgeber zeigt dir genau, welche Bilder du verwenden darfst, wo du legal kostenlose Fotos findest, und was dir ein Fehler im schlimmsten Fall kostet. Stand der Informationen: Stand 29. Oktober 2026.

Was das Schweizer Urheberrecht bei Bildern bedeutet

Das Bundesgesetz über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (URG) schützt Fotografien als Werke, sobald sie eine gewisse individuelle Eigenart aufweisen. Bei professionellen Aufnahmen ist das fast immer der Fall. Aber auch Hobbyfotografien geniessen in der Schweiz urheberrechtlichen Schutz, wenn sie über rein technische Reproduktion hinausgehen.

Was das für dich bedeutet: Du kannst kein Bild einfach "nehmen", nur weil es im Netz ja frei zugänglich ist. Zugänglich und lizenzfrei sind zwei komplett verschiedene Dinge. Das Urheberrecht entsteht mit der Schöpfung des Werks und dauert 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers.

Wichtig: Ein fehlendes Copyright-Zeichen (©) bedeutet nicht, dass das Bild frei verwendbar ist. In der Schweiz entsteht der Schutz automatisch - ohne Anmeldung, ohne Zeichen, ohne Vermerk.

Besonders relevant für Website-Betreiber: Wenn du ein geschütztes Bild auf deiner Website hochlädst, verletzt du das Vervielfältigungsrecht und das Recht zur öffentlichen Zugänglichmachung (Art. 10 URG). Beides zusammen macht jeden unerlaubten Bild-Upload zu einer klaren Rechtsverletzung. Das klingt schon ernst, und das ist es auch.

Welche Bilder du legal auf deiner Website nutzen darfst

Es gibt vier Kategorien von Bildern, bei denen du auf der sicheren Seite bist:

Eigene Fotos

Du hast das Bild selbst gemacht? Dann gehst du das Copyright. Keine Rückfragen, keine Lizenzen, keine Kosten. Für viele Branchen (Restaurants, Handwerk, Dienstleister) sind eigene Fotos sowieso authentischer als Stockbilder.

Lizenzierte Stockfotos

Plattformen wie Adobe Stock, Shutterstock oder Getty Images verkaufen Nutzungslizenzen. Du zahlst einmal (oder per Abo) und darfst das Bild gemäss den Lizenzbedingungen nutzen. Lies die Lizenz sorgfältig - "für Websites" und "für kommerzielle Nutzung" sind nicht immer dasselbe.

Creative-Commons-Bilder

Der Urheber gibt bestimmte Nutzungsrechte kostenlos frei, oft mit Bedingungen wie Namensnennung (CC BY) oder Verbot kommerzieller Nutzung (CC NC). Du musst die Lizenz-Variante kennen und die Bedingungen einhalten.

Public Domain / CC0

Diese Bilder sind komplett frei - kein Urhebervermerk nötig, kommerzielle Nutzung erlaubt. CC0 (Creative Commons Zero) ist die stärkste Freigabe. Public Domain tritt nach Ablauf von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers ein.

Die besten Quellen für kostenlose, legale Bilder

Die gute Nachricht: Es gibt heute ausgezeichnete Plattformen mit tausenden qualitativ hochwertigen Fotos, die du kostenlos und legal nutzen kannst. Hier die zuverlässigsten Quellen:

Plattform Lizenz Kommerziell Bildnachweis nötig
Unsplash Unsplash-Lizenz (CC0-ähnlich) Ja Empfohlen, nicht Pflicht
Pexels Pexels-Lizenz (CC0-ähnlich) Ja Empfohlen, nicht Pflicht
Pixabay Pixabay Content License Ja Nicht erforderlich
Wikimedia Commons Gemischt (CC BY, CC BY-SA, Public Domain) Je nach Lizenz Meist Pflicht (CC BY)
StockSnap.io CC0 Ja Nicht erforderlich
Praxis-Tipp: Speichere beim Download immer den Link zur Lizenzseite des Bildes lokal ab. Falls du jemals einen Nachweis erbringen musst, bist du so in Sekunden vorbereitet.

Creative Commons Lizenzen verständlich erklärt

Creative Commons (CC) ist ein Lizenzsystem, das Urhebern erlaubt, bestimmte Nutzungsrechte zu teilen, ohne auf alle Rechte zu verzichten. Für Website-Betreiber sind eigentlich fünf Varianten entscheidend:

  • CC BY - Nutzung erlaubt, Namensnennung Pflicht. Die häufigste Variante auf Plattformen wie Flickr oder Wikimedia.
  • CC BY-SA - Namensnennung + Weitergabe unter gleichen Bedingungen. Wer ein Bild bearbeitet, muss das Ergebnis doch wieder unter gleicher Lizenz teilen.
  • CC BY-ND - Namensnennung, aber keine Veränderungen erlaubt. Kein Zuschneiden, kein Retuschieren.
  • CC BY-NC (inkl. Variante BY-NC-SA) - Nur nicht-kommerziell erlaubt. Für Unternehmens-Websites und Blogs mit Werbung schon problematisch, weil "kommerziell" weit ausgelegt wird.
  • CC0 - Volle Freigabe, kein Urhebervermerk nötig. Die sicherste Wahl für deine Website.

Klar ist: Für jede Website stellt sich dieselbe Kernfrage - kommerziell oder nicht? Ein Blog mit Werbelinks oder ein Kontaktformular für ein Unternehmen gilt bereits als kommerziell. Lizenzen mit "NC" darfst du dann nicht verwenden.

Was mit Google-Bildern, Pinterest und Social Media falsch läuft

Das ist der Bereich, wo die meisten Fehler passieren. Hier klar, was erlaubt ist und was nicht:

  • × Ein Bild aus der Google-Bildersuche herunterladen und auf deiner Website nutzen: illegal. Google zeigt dir Bilder, die im Netz existieren - aber nicht deren Rechte.
  • × Ein Bild von einer anderen Website "inspiriert" reproduzieren und neu hochladen: ebenfalls eine Urheberrechtsverletzung.
  • × Ein Foto von einem Instagram-Account einbetten ohne Erlaubnis: auch nicht erlaubt. Das Einbetten (Embedding) ist rechtlich in der Schweiz noch nicht abschliessend geklärt, aber sicher ist es nicht.
  • ✓ Ein Bild bei der Google-Bildersuche mit dem Filter "Zur Weiterverwendung gekennzeichnet" suchen: kann sicher sein, aber prüfe die Originalquelle trotzdem selbst.
  • ✓ Eigene Screenshots von deiner eigenen Software oder deinem eigenen Bildschirm erstellen: normalerweise problemlos.
Achtung: "Ich habe das Bild nur gefunden und dachte, es sei frei" ist keine Rechtsverteidigung in der Schweiz. Unwissenheit schützt nicht vor Schadenersatz.

Bildnachweis korrekt setzen - so funktioniert es

Immer wenn eine CC-Lizenz einen Bildnachweis verlangt (alles ausser CC0), musst du folgende Angaben machen:

  1. Name des Urhebers (Fotograf oder Plattform)
  2. Titel des Werks (falls vorhanden)
  3. Lizenz-Typ (z.B. CC BY 4.0)
  4. Link zur Originalquelle (URL des Bildes oder der Plattform)

Ein korrekter Bildnachweis sieht zum Beispiel so aus:

Foto: "Mountain Landscape" von Max Muster auf Unsplash.com, lizenziert unter Unsplash License

Wo gehört der Nachweis hin? Direkt unter oder neben dem Bild ist am besten. Alternativ geht auch eine eigene Seite "Bildnachweise" oder ein Abschnitt im Impressum, solange der Link zum Bild eindeutig zugeordnet ist.

Bei Bildern von Wikimedia Commons ist das Schema etwas strikter - dort erwartet die Community die genaue Lizenzversion (z.B. CC BY-SA 4.0) und einen Link zur Lizenzdefinition auf creativecommons.org.

Was ein Urheberrechtsverstoß in der Schweiz kostet

Mal ehrlich: Viele denken, dass Urheberrechtsverletzungen bei Bildern "nicht so schlimm" sind, weil Schweizer Gerichte seltener als deutsche Gerichte massenweise Abmahnungen versenden. Das stimmt wohl, aber das Risiko ist trotzdem real und wird von den Betroffenen meist unterschätzt:

Situation Typische Kosten Rechtsgrundlage
Aussergerichtliche Einigung (Lizenzgebühr nachzahlen) CHF 200-1'000+ Art. 62 URG
Anwaltsbrief + Unterlassungserklärung CHF 500-2'000+ Art. 61 URG
Gerichtliches Verfahren + Schadenersatz CHF 5'000+ Art. 67 URG
Vorsätzliche Verletzung (Strafrecht) Geldstrafe oder Freiheitsentzug bis 1 Jahr Art. 67 URG (Strafbestimmung)

Was viele nicht wissen: Bilddatenbanken wie Getty Images und Shutterstock betreiben ja aktiv sogenannte "Reverse Image Search"-Systeme, die das Web nach nicht-lizenzierten Verwendungen ihrer Bilder durchsuchen. Diese Dienste schicken dann automatisierte Rechnungen. Das passiert auch Schweizer KMUs regelmässig.

Hinweis zur EU-Abmahnwelle: In der Schweiz gibt es kein deutsches Abmahn-System. Aber wenn deine Website auch in der EU erreichbar ist und EU-Recht verletzt wird, können trotzdem EU-Anwälte tätig werden. Bei deutschen Kunden und deutscher Sprache lohnt sich Vorsicht.

Website-Hosting und Bildrechte: Was der Hoster damit zu tun hat

Dein Webhosting-Anbieter haftet in der Regel nicht für Urheberrechtsverletzungen, die du als Websitebetreiber begehst - das liegt halt allein in deiner Verantwortung. Aber: Wenn ein Rechteinhaber eine Löschaufforderung (Notice-and-Takedown) schickt, ist ein schweizer Hoster verpflichtet, das gemeldete Material zu sperren. Hosting und Lizenzrecht sind eben zwei getrennte Themen.

Für Websites mit viel Bildmaterial empfiehlt sich ein Hosting-Anbieter, der in der Schweiz betrieben wird und das Schweizer Recht kennt. Anbieter wie Hostpoint oder Cyon haben ihren Hauptsitz in der Schweiz und betreiben ihre Rechenzentren hierzulande - das ist relevant für Datenschutz, aber auch für die Erreichbarkeit bei rechtlichen Fragen.

Drei Grundregeln reichen: Nur eigene Fotos, lizenzierte Stockfotos oder CC0-Bilder verwenden. Bei allem anderen die Lizenz prüfen, im Zweifel den Urheber direkt anfragen. Ein einziger Getty-Images-Brief kostet mehr als ein Jahresabo auf einer guten Stockfoto-Plattform.

Häufige Fragen zum Bildrecht in der Schweiz

Darf ich Bilder von Wikipedia für meine Website nutzen?
Das kommt auf die jeweilige Lizenz an. Wikipedia-Bilder stehen häufig unter CC BY-SA oder CC BY, was eine Namensnennung und bei SA-Lizenzen eine Weitergabe unter gleichen Bedingungen verlangt. Einige sind Public Domain. Klick auf das Bild auf Wikimedia Commons und schau dir die Lizenz genau an, bevor du es verwendest.
Was passiert, wenn ich ein fremdes Bild versehentlich verwendet habe?
Entferne das Bild sofort. Wenn du bereits eine Forderung erhalten hast: Reagiere schriftlich, bestätige die Entfernung, und versuch eine aussergerichtliche Einigung. Ignoriere Forderungen nie - das eskaliert den Fall fast immer. Bei grösseren Forderungen hol dir anwaltliche Beratung.
Darf ich KI-generierte Bilder (Midjourney, DALL-E) nutzen?
In der Schweiz gilt: Nur Menschen können Urheber sein. KI-generierte Bilder sind daher urheberrechtlich nicht geschützt - du kannst sie also frei nutzen, wenn du sie selbst generiert hast. Achte aber auf die Nutzungsbedingungen der jeweiligen KI-Plattform (Midjourney z.B. hat Einschränkungen für kommerzielle Nutzung im Free-Plan).
Was kostet das Ignorieren von Bildrechten konkret?
Die Kostentabelle weiter oben zeigt die Bandbreite: Von einer aussergerichtlichen Einigung für CHF 200-1'000+ bis zu einem Gerichtsverfahren mit CHF 5'000+. Das Heimtückische ist, dass Bilddatenbanken wie Getty Images aktiv nach unlizenzierten Nutzungen suchen und automatisiert Rechnungen verschicken. Ein einziges unerlaubt verwendetes Foto kann dich so teurer zu stehen kommen als ein ganzes Jahr Stockfoto-Abo.
Wie ist es mit Logos von Firmen auf Referenz-Seiten?
Logos sind in der Regel markenrechtlich und urheberrechtlich geschützt. Wenn du eine Kundenreferenz zeigst und deren Logo verwendest: Hol dir immer die schriftliche Erlaubnis der Firma. Viele Unternehmen haben Brand-Guidelines, die genau regeln, wie ihr Logo verwendet werden darf.
Darf ich Fotos von Personen einfach auf meine Website laden?
Nein. Neben dem Urheberrecht greift hier das Persönlichkeitsrecht (Art. 28 ZGB). Erkennbare Personen müssen ihre Einwilligung geben, bevor du ihr Bild auf einer Website veröffentlichst - auch wenn du das Foto selbst gemacht hast. Bei Mitarbeiterfotos auf der Firmenwebsite z.B. braucht es eine schriftliche Einverständniserklärung.
Schützt mich ein Impressum oder Disclaimer vor Urheberrechtsklagen?
Nein. Kein Disclaimer der Welt schützt dich davor, wenn du fremde Bilder ohne Lizenz verwendest. Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Einzig die korrekte Lizenzierung oder das Einhalten von CC-Bedingungen schützt dich rechtlich.
Wie wir recherchieren: Alle rechtlichen Angaben in diesem Artikel basieren auf dem Schweizer Bundesgesetz über das Urheberrecht (URG, SR 231.1) sowie aktueller Rechtsliteratur. Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: Stand 29. Oktober 2026. Methodik im Detail →

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