Du willst deine WordPress-Website zu einem neuen Hoster umziehen. Vielleicht weil du den Preis senken willst, der Support beim alten Anbieter nicht mehr passt, oder du zu einem Schweizer Hoster wechseln willst. Der Umzug ist technisch machbar, braucht aber Planung, damit am Ende nichts verloren geht. Dieser Artikel führt dich Schritt für Schritt durch den Prozess, zeigt die wichtigsten Stolpersteine und hilft dir, den Umzug ohne Stress zu bewältigen.
Typische Gründe für einen Umzug
WordPress-Umzüge haben viele verschiedene Motive. Die häufigsten:
- Wechsel von einem ausländischen zu einem Schweizer Hoster wegen DSG oder Support.
- Wechsel wegen Preis-Leistungs-Optimierung.
- Wechsel wegen Performance-Problemen beim aktuellen Anbieter.
- Wechsel, weil das Projekt gewachsen ist und das alte Paket nicht mehr reicht.
- Wechsel wegen schlechter Erfahrungen mit dem Support.
- Wechsel, weil der bisherige Anbieter eingestellt oder von einem anderen übernommen wurde.
Unabhängig vom Motiv ist der technische Prozess ähnlich. Was variiert, ist der Aufwand: eine einfache WordPress-Seite mit wenigen Plugins und einer kleinen Datenbank zieht schneller um als ein grosser Shop mit vielen Bildern und komplexen Einstellungen.
Vorbereitung, bevor der Umzug startet
Vor dem ersten technischen Schritt solltest du einige Punkte klären.
Zugangsdaten sammeln
- Login zum Kundenbereich des alten Hosters.
- FTP- oder SFTP-Zugang zum alten Webspace.
- Datenbank-Zugang beim alten Hoster (Benutzername, Passwort, Host).
- WordPress-Admin-Login.
- Zugang zum Domain-Registrar.
- Liste aller Mail-Adressen auf der Domain.
Zeitpunkt wählen
Plan den Umzug auf eine traffic-arme Zeit. Am Wochenende oder spät abends ist sinnvoll, weil in dieser Zeit weniger Besucherinnen auf eine zwischenzeitlich nicht erreichbare Seite treffen. Rechne mit einem halben bis ganzen Tag aktiver Arbeit plus 24 Stunden für die DNS-Propagation.
Neues Paket auswählen
Wähle das Paket beim neuen Hoster vor dem Start. Für eine einfache WordPress-Seite reichen meistens Einsteiger-Pakete. Empfehlungen: Cyon Single (14.90), Infomaniak Web + Mail (13.20), Hostpoint Standard (15.90) oder Hosttech Smart Deal (6.90) für knappe Budgets.
Vollständiges Backup erstellen
Vor dem Umzug brauchst du ein vollständiges Backup. Das ist keine Option, sondern Pflicht.
Was ins Backup gehört
- Alle Dateien (WordPress-Core, Themes, Plugins, Uploads).
- Die komplette Datenbank als SQL-Export.
- Konfigurationsdateien wie wp-config.php und .htaccess.
- Eine Liste aller installierten Plugins mit Versionsnummern.
Wege zum Backup
Plugin-Weg: Plugins wie UpdraftPlus, All-in-One WP Migration oder Duplicator erstellen ein komplettes Backup in einer Zip-Datei, die du herunterladen kannst. Für kleine bis mittlere Websites der einfachste Weg.
Manueller Weg: Dateien per FTP oder SFTP herunterladen, Datenbank per phpMyAdmin exportieren. Etwas technischer, aber universell einsetzbar und auch bei Zugriffsproblemen mit Plugins möglich.
Hoster-Backup: Viele Hoster bieten automatische Backups, die du herunterladen kannst. Praktisch, wenn der Zugang zum WordPress-Backend nicht mehr funktioniert.
Egal welcher Weg: lade das Backup lokal auf deinen Rechner und kopiere es zusätzlich in einen Cloud-Speicher. Zwei oder drei Kopien an unterschiedlichen Orten sind besser als eine einzige.
Neues Paket beim neuen Hoster einrichten
Mit dem Backup in der Tasche richtest du das neue Paket ein.
Domain anlegen
Im Kundenbereich des neuen Hosters fügst du deine Domain als neue Website hinzu. Der neue Hoster gibt dir eine temporäre URL, über die du die Seite vor der DNS-Umstellung erreichen kannst.
Datenbank und PHP
Leg eine neue leere Datenbank an und notiere die Zugangsdaten. Stell die gewünschte PHP-Version ein (meistens PHP 8.x für aktuelle WordPress-Installationen).
Mailadressen
Wenn du Mailadressen über den alten Hoster hattest, leg sie auch beim neuen an. Achtung: bis zur DNS-Umstellung laufen die Mails noch zum alten Anbieter. Erst nach der Umstellung kommen neue Mails beim neuen Hoster an.
Daten übertragen
Jetzt überträgst du die Daten vom Backup auf den neuen Server.
Dateien hochladen
Per FTP oder SFTP lädst du alle Dateien in den neuen Webspace. Bei grösseren Seiten kann das eine halbe Stunde oder länger dauern. Ein guter FTP-Client wie FileZilla zeigt den Fortschritt an.
Datenbank importieren
Per phpMyAdmin beim neuen Hoster importierst du den SQL-Export aus dem Backup. Bei sehr grossen Datenbanken (mehrere hundert Megabyte) kann der Web-Upload ans Limit stossen, dann hilft ein Import per SSH oder Kommandozeile.
wp-config.php anpassen
In der wp-config.php stehen die Datenbank-Zugangsdaten. Diese müssen jetzt die Werte des neuen Hosters enthalten: Datenbankname, Benutzername, Passwort und Host.
URL-Anpassung
WordPress speichert die Site-URL in der Datenbank. Für Tests über die temporäre URL des neuen Hosters musst du entweder die URL in der Datenbank temporär umstellen oder die Domain lokal über die Hosts-Datei deines Rechners auf den neuen Server umbiegen.
Auf temporärer URL testen
Bevor du die DNS-Einträge änderst, testest du gründlich.
- Startseite öffnet sich und zeigt das erwartete Design.
- Unterseiten sind erreichbar.
- Bilder werden korrekt geladen.
- Kontaktformulare senden Mails.
- WordPress-Admin funktioniert.
- Alle Plugins laufen ohne Fehlermeldungen.
- Caching und SSL aktiv.
Wenn etwas klemmt, hast du immer noch die alte Installation als Fallback. Behebe Probleme, bevor du DNS umstellst.
DNS umstellen
Wenn alles funktioniert, änderst du die DNS-Einträge der Domain.
Welche Records ändern
- A-Record auf die IP-Adresse des neuen Servers.
- AAAA-Record für IPv6 (falls vorhanden).
- MX-Records auf die Mail-Server des neuen Hosters.
- TXT-Records für SPF, DKIM, DMARC (Mail-Authentifizierung).
TTL im Voraus reduzieren
Einige Stunden vor der eigentlichen Umstellung reduzierst du die TTL der alten Records auf einen kleinen Wert, etwa 300 Sekunden. Das beschleunigt die spätere Propagation.
Propagation abwarten
Nach der DNS-Änderung dauert es bis zu 24 Stunden, bis alle DNS-Server weltweit die neuen Werte haben. In der Praxis sind es oft nur ein bis zwei Stunden. In dieser Zeit werden Besucherinnen teils zur alten, teils zur neuen Installation geleitet. Beide müssen deshalb parallel funktionsfähig sein.
Nach dem Umzug
SSL-Zertifikat
Bei Schweizer Hostern wird das SSL-Zertifikat automatisch über Let's Encrypt ausgestellt, sobald die Domain auf den neuen Server zeigt. Prüf nach einigen Stunden, ob deine Seite über https:// erreichbar ist.
Mail-Versand prüfen
Sende eine Test-Mail und prüf, ob sie ankommt. Wichtig ist auch, dass SPF-, DKIM- und DMARC-Einträge sauber konfiguriert sind, damit die Mails nicht im Spam landen.
Altes Paket laufen lassen
Kündige das alte Hosting-Paket nicht sofort. Lass es einige Wochen parallel laufen, damit du bei Problemen einen Fallback hast. Erst wenn du sicher bist, dass alles rund läuft, kannst du kündigen.
Suchmaschinen informieren
In der Google Search Console prüfst du, ob die Seite weiterhin indexiert wird und keine Fehler auftauchen. Eine Sitemap-Aktualisierung kann sinnvoll sein.
Mein Fazit, WordPress-Umzug ist machbar mit Planung
Ein WordPress-Umzug ist technisch gut machbar, wenn du strukturiert vorgehst. Die fünf Phasen Backup, neues Paket, Datenübertragung, Testen und DNS-Umstellung sind bewährt. Der grösste Fehler ist, DNS umzustellen, bevor man gründlich getestet hat.
Wenn du dir den Umzug nicht zutraust, gibt es Alternativen: beauftrage eine Schweizer Agentur oder einen freien Entwickler, oder nutze den Migrations-Service des neuen Hosters. Die Kosten liegen meistens zwischen 200 und 800 Franken für eine einfache Seite.
Der wichtigste Punkt: lass dir Zeit und mach vor jedem Schritt ein Backup. Ein paar zusätzliche Minuten für Backups ersparen dir im Ernstfall Stunden an Stress.